Am 20.12., dem letzten Schultag vor den Ferien hatten wir einen ganz besonderen Besuch. Im Rahmen der Aktion „Chefklasse“ des Weser-Kurier besuchte uns Herr Dr. Köhne, Vorstand Erzeugung, Recht und Kommunikation der swb. Der Leistungskurs Deutsch der Einführungsphase konnte im Rahmen des Berufsorientierungsunterrichtes mit Frau Nadler Fragen rund um Beruf, Karriere und Privatem stellen. Das war – so waren sich die Schüler*innen im Feedback einig – eine tolle Sache.
Hier kann man mehr erfahren: http://www.chefklasse-bremen.de
Zur Drebberstraße in Hemelingen hat Dr. Torsten Köhne, Vorstand Erzeugung, Recht und Kommunikation bei swb, einen persönlichen Bezug: In der Straße wohnte der 55-Jährige zwei Jahre lang, als er an seiner Doktorarbeit schrieb.
Daher freute er sich umso mehr, bei den Schülern des elften Jahrgangs der Wilhelm-Olbers-Oberschule zu Gast zu sein. Bei der Premiere der Chefklasse, präsentiert von WESER-KURIER und swb, berichtete er den jungen Erwachsenen unter anderem aus dieser Zeit. Das Vorstandsmitglied stellte sich für eine Doppelstunde Fragen rund um Karriere, Veränderungen der Arbeitswelt undseinem geschäftlichen Dresscode.
Moderiert von Lea Schröder aus der ENERGY Bremen Morningshow MOIN! verging die Doppelstunde für die Klasse von Susanne Nadler wie im Flug.
Wie verändert sich die moderne Arbeitswelt – Stichwort Industrie 4.0?
Für Dr. Köhne handelt es sich bei Industrie 4.0 um einen schwierigen Begriff, weil dieser nicht
genau definiert ist. Dennoch führte er den Schülern vor Augen, wie sich die Entwicklungen bemerkbar machen. „Die Digitalisierung verändert
meinen Büroalltag. Heute geht alles viel schneller.“ Außerdem ließen sich der Beruf und Privates problemloser verknüpfen:
„Mein Büro ist immer auch bei mir zu Hause.“
Doch genau dort lauere die Gefahr, keinen Abstand mehr zu gewinnen. Daher rät Dr. Köhne den Elftklässlern, sich selbst Grenzen zu setzen.
Welche Veränderungen der Arbeitswelt sind in den kommenden Jahren zu erwarten?
„Der Wert von Arbeit verschiebt sich“, ist sich der swb-Chef sicher und zieht als Beispiel ein Formular heran: Wo früher zum Beispiel ein Sachbearbeiter nötig war, reichten heute bereits einige Klicks und schon ließe sich ein Dokument online ausfüllen. Weiterhin sieht der 55-Jährige einen deutlichen Trend zu technik- und EDV-affinen Berufsbildern.
Wie ergeht es jemandem privat, der im Beruf so viel Verantwortung trägt? Kann man im Urlaub überhaupt richtig abschalten?
Bei dieser Frage sieht Dr. Köhne einen deutlichen Wandel von seinen beruflichen Anfängen bis heute:
„Heute kann ich gut abschalten, aber das war nicht immer so.“ Der sympathische Jurist führt dies auf seine Lebens- und Berufserfahrungen zurück. Fahre er heute in den Urlaub, bliebe das Handy auch mal aus und berufliche E-Mails unbeantwortet.
„Ein Managerjob ist für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf natürlich nicht ideal“, gibt Dr. Köhne zu und spricht von seiner 50- bis 60- Stunden-Woche. „Der Posten bringt selbstverständlich einen hohen Anspruch mit sich“, berichtet er weiter. Sein Tipp für die Fachkräfte von morgen: sich selbst Regeln aufstellen. „Und lasst euch von anderen daran erinnern, diese
einzuhalten.“
Wie muss aus der Sicht eines Managers Schule aussehen? Wie sollte sich das Lernen verändern, um eine gute Vorbereitung auf das Leben zu haben?
„Man darf von Schule nicht zu viel erwarten“ so die klare Meinung des swb-Vorstandsmitglieds. Dr. Köhne distanziert sich von der Ansicht, dass Lehrer für die persönliche Entwicklung der Schüler verantwortlich sind. „Die Schule kann immer nur das Rüstzeug vermitteln.“ Ihm sei vor allem aufgefallen, dass sich im Vergleich zu seiner eigenen Schulzeit bis heute nur wenig verändert habe. „Die Lehrer benötigen aber mehr Zeit, um sich um ihre
Schüler zu kümmern“, unterstreicht Dr. Köhne. „Das kann am Ende kein iPad ersetzen.“
Welche Vorstellungen zu seiner eigenen Karriere gab es im Leben von Dr. Torsten Köhne?
„In der Schule habe ich mir noch nicht allzu viele Gedanken gemacht“, gibt der Jurist zu. Dennoch habe sich irgendwann herauskristallisiert, dass es keinen Zweifel an einem Studium gab. „Später wollte ich etwas gestalten“, sagt Dr. Köhne. Das habe unweigerlich zu einer
Führungsposition geführt, denn: „Ideen umzusetzen, hat etwas mit Macht zu tun“.
Welche Rolle spielt der swb-Vorstand im Unternehmen und wie ist das Verhältnis zu Mitarbeitern?
Als ein faires und kollegiales Unternehmen beschreibt Dr. Torsten Köhne den großen Energieversorger. „Klar wird es auch mal lauter, aber grundsätzlich herrscht ein gutes Miteinander.“ So habe er beispielsweise allen Mitarbeitern das Du angeboten. „Ob man das annimmt, bleibt jedem selbst überlassen.“ Für den erfahrenen Manager ist es wichtig, dass das Betriebsklima dazu einlädt, morgens stets gern zur Arbeit zu kommen.
Gibt es einen Dresscode bei swb?
Bei swb gibt es keine Kleidungsvorschriften. Dennoch sieht man Dr. Köhne in der Regel im Anzug und mit Schlips. „Ich fühle mich so einfach wohl. Und vermutlich ist es schlichtweg auch eine Frage des Alters.“
Was können junge Leute tun, die noch keine Vorstellungen von ihrer persönlichen Karriere haben?
„Niemals in Hektik verfallen“, lautet der Tipp von Dr. Köhne. „Schaut euch um, findet heraus, was euch liegt.“ So müsse man nicht bereits mit 21 Jahren ein fertig geformter Mensch sein.
Für Dr. Torsten Köhne ist es im Gegenzug interessant zu erfahren, welchen Stellenwert das Geldverdienen für die Schüler hat. Die Elfklässler sind sich einig: „Auf jeden Fall ist Geld wichtig zum Überleben, aber ein Job muss auch Spaß machen.“ Die Schüler gehen davon aus, dass sich der Stellenwert von Geld im Lauf der Karriere verschieben wird und Erfahrungen eine wichtigere Rolle spielen.